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Carmen Konzertkarten

Oper von Georges Bizet

"CARMEN" Das grausige Ende vor der Stierkampfarena

In der Oper "Carmen" ist der Stier Opfer eines archaischen,
frühpatriarchalen Rituals und trägt sowohl männliche als auch weibliche Züge. Einerseits symbolisiert er animalische Kraft, Stärke, Kampfes- und Freiheitswillen, andererseits verkörpert er die Fruchtbarkeit der Schöpfung und steht somit für die "Große Mutter" matriarchalischer Zeiten, die von Männern bekämpft und besiegt werden muss. Insofern kann der Stierkampf als erotisch aufgeladenes Drama männlicher Identitätsfindung verstanden werden.

Zu Beginn des Kampfes repräsentiert der potente Stier die männliche, der Torero die weibliche Partei. Im Laufe des Kampfes erobert der Torero seine männliche Rolle zurück, indem er die Kraft des Stieres, den er schwächt und schliesslich tötet, auf sich überträgt: am Ende des Volksspektakels ist die
Ordnung, die durch das Ausbrechen anarchischer Kräfte zeitweilig ins Wanken geraten war, wieder hergestellt.

Nicht ohne Absicht, findet im 4. Akt der Oper "Carmen" die letzte Auseinandersetzung Don Josés mit Carmen vor dem Hintergrund eines Stierkampfes statt.
Carmen, die Don José gleich einem Torero verführerisch provoziert, zugleich aber den Part des freiheitsorientierten, unzähmbaren Naturwesens für sich beansprucht, billigt Don José letzlich an ihrer Seite keine Rolle zu. Daß Don José sich damit nicht abfinden kann, wird beiden zum tragischen Verhängnis.

Die Auseinandersetzung beginnt, grausam, dramatisch, tragisch und sinnlos, wie jede Auseinandersetzung in ähnlicher Situation. José droht nicht, er fleht die immer noch bis zum Wahnsinn Geliebte und Begehrte an, zu ihm zurückzukehren, mit ihm fortzugehen, weit fort - das Original in der Novelle Mérimées nennt sogar Amerika - ein neues Leben zu beginnen.
Carmen bleibt kalt. Ihre Wahl ist getroffen; was hat sie mit diesem flehenden Mann zu schaffen? Die jauchzenden Chöre, die in der Arena Escamillo feiern, bilden einen unheimlichen Kontrapunkt zu José herzzerreissenden, sinnlosen Bitten. Er verliert mit jedem Augenblick mehr die letzten Reste seiner mühsam bewahrten Fassung. Alles, nur diese Frau nicht zu verlieren...schreit sein bereits völlig zerstörtes Selbst.
Er vernimmt kaum noch ihr Liebesbekenntnis zu Escamillo, sieht sie nur noch undeutlich den Ring vom Finger ziehen, den er ihr einst geschenkt, ihn in den Sand fallen, während in der Arena die Menge immer hellere Siegesrufe ausstößt. Dann weiß er nichts mehr von sich: er hat sein Messer gezogen, und
durchbohrt Carmens Herz, das er wohl nie wirklich besessen hatte. Und stützt mit einer der erschütterndsten Melodien der Operngeschichte vernichtet über die Leiche zusammen, während die ersten Zuschauer die Arena verlassen und erstarrt stehen bleiben.

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